Donnerstag, 11. Juni 2015

Hochzeit :)

Heeey,

wie versprochen schreibe ich nun den Blog über die Hochzeit. Obwohl es spät ist, obwohl ich müde bin und obwohl eigentlich gar keine Lust dazu habe. ^-^

Die Hochzeit zwischen Sarah und Jesse liegt mittlerweile schon ein bisschen zurück, ungefähr zwei Wochen. Und bereits drei Wochen zuvor, also einer Woche vor der Hochzeit, trafen die ersten Besucher ein. So kamen auch die anderen neun Volunteers, damit von jedem die Körpermaße genommen werden konnten. Wir sollten nämlich die Brautjungfern sein, wodurch wir jeder ein neues Kleid bekamen. Ich würde ja wirklich gern sagen, dass das Kleid hübsch sei, aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich es wohl nie wieder anziehen werde, könnt ihr euch bestimmt schon euren Teil denken... Ghanaer stehen eben auf Kitsch und grelle Farben. Das spiegelte sich auch in unseren glänzend-hellblauen Kleidern wieder. Leider. Aber naja, wenigstens haben wir sie umsonst bekommen, was nichts ungewöhnliches für eine Hochzeit ist. Genauso wie die Verlobung, die im Rahmen eines öffentlichen Fests stattfindet und natürlich auch mit vielen Predigten verbunden wird. Um das zu erleben ging es zu Sarahs Familie, auf deren Hof schon mehrere große Zelte aufgestellt wurden, unter denen die Besucher Platz nehmen konnten. Zuerst wurde wieder gebetet, bevor es interessant wurde: Sarah war nirgends zu erblicken. Nachdem nachgefragt wurde, wo denn die Tochter sei, die man heiraten wolle, antwortete Sarahs Vater nur lachend, dass er viele Töchter hätte und welche man denn meine. Daraufhin kamen von Musik begleitet viele verschiedene Frauen vom Haus her angetanzt. Nach einer genauen Inspektion stellte man allerdings fest, dass Sarah nicht dabei war. Also kam der nächste Schwung tanzender Frauen, aber wieder keine Sarah. Erst beim dritten Mal konnten wir die zukünftige Braut endlich erblicken. Diese musste nun mit einen Kelch in der Hand ihren zukünftigen Mann, also Jesse, unter den ganzen Besuchern finden. Tanzend bewegte sie sich auf ihm zu und überreichte ihm den Kelch, sodass er einen Schluck daraus trinken konnte. Dann gingen beide zu einem Tisch und Jesse fragte Sarah vor Augen aller, ob sie ihn denn heiraten wolle. Zur Überraschung aller sagte sie natürlich ja, worauf wieder viel gebetet und der künftigen Familie jetzt schon Glück gewünscht wurde. Danach ging es etwas lustiger zu, denn man veranstaltete verschiedene Wettkämpfe zwischen der Familie Ayembilla (von Jesse) und der Familie Yiri (von Sarah). Auch das ist Brauch in Ghana und war ganz lustig anzusehen. Nachdem man allerdings beobachtet, wie andere sich beim Wettessen den Bauch vollstopften, bekommt man natürlich auch hunger. Aber auch dafür wurde gesorgt, sodass später jeder noch etwas zu sich nehmen konnte, bevor es wieder nach Hause ging.

Im Schatten lässt sich's aushalten ^.^
Die tanzenden "Töchter" :D
Die hübsche Sarah auf dem Weg zu Jesse
Jesse & Sarah
Essenswettbewerb


Und nun, nach der Engagement, liefen die Vorbereitungen erst richtig auf Hochtouren. Überall wurde gekocht, geputzt, organisiert. Es gab ja auch allen Grund dazu, denn es verblieb nur noch ein freier Tag bis zur Hochzeit. Letztendlich wurde aber alles geschafft, sodass wir Freiwilligen am Samstagmorgen in eine Unterkunft in Jirapa gebracht wurden. Dort befanden sich auch Sarah und Jesse, aber natürlich in getrennten Zimmern. Nachdem die beiden von ihren Freunden zurecht gemacht wurden, sollten wir alle wieder in die Autos steigen, damit wir zur Kirche fuhren konnten. Unser Auftreten mit all den schicken Autos hatte viele Schaulustige zur Folge. Sogar ein Kameramann filmte uns wie wir ausstiegen. Aber viel Zeit verblieb nicht, denn nun wurde es ernst: als allererstes sollten nämlich wir zehn Mädels als Brautjungfern die Kirche betreten. Erst danach folgten Jesse, Sarah und weitere enge Familienmitglieder oder Freunde. Das alles wurde schon Tags zuvor fleißig geprobt, sodass am wichtigen Tag alles glatt lief.
Als dann jeder auf seinen Stuhl Platz nahm, begann das lange Warten. Es wurde stundenlang von verschiedensten Pastoren gebetet. Das Kuchen-Anschneiden und gegenseitige Ja-Wort geben mit dem anschließenden Kuss (ein Kuss in Ghana in der Öffentlichkeit, ohoo) war für mich das spannendste an den viereinhalb Stunden Kirche. Zusätzlich war es echt mega heiß, da die Kirche wirklich bis zur letzten Person voll gestopft war. Was mich außerdem störte und auch ziemlich irritiere war, dass viele Leute schon während der Zeremonie gingen, obwohl sie noch gar nicht fertig war. Sogar die Familie blieb nicht die ganze Zeit über und Mama ging dann auch irgendwann. Manchmal frage ich mich wirklich, warum immer so viel und so lange gebetet wird, wenn man doch sowieso genau weiß, dass dadurch die Leute gelangweilt werden (auch wenn hier niemand zugeben würde, dass man durch ein Gebet gelangweilt wird. Aber vielleicht ist ja genau das der Punkt...).
Schlussendlich ging diese Hochzeit natürlich auch irgendwann zu Ende, sodass der Sekt (natürlich Alkoholfrei!^^) geöffnet und angestoßen werden konnte. Danach gab es wieder was zu Essen und eeeendlich konnte man sich in einer ruhigen Ecke ein bisschen vom Tag ausruhen. Vorausgesetzt man fand eine ruhige Ecke, was nicht ganz einfach ist, bei so vielen Leuten.

Jesse und Sarah beim Ja-Wort geben
rappelvolle Kirche 
Mr. & Mrs. Ayembilla :)
Henri, Carlotta, ich und Kim beim Sekt-öffnen
mit unseren wunderhübschen Kleidern
So sieht's aus, wenn zehn Leute
in meinem Zimmer schlafen

Am nächsten Tag, Sonntag, ging es früh natürlich wieder in die Kirche. Yippiee. Danach hatten wir aber zum Glück alle ein bisschen Freizeit, bevor es zu einem Platz ging, wo Freunde und Familie nochmal zusammentrafen, auf die Hochzeit anstießen und dem Brautpaar Glückwünsche und Tipps gaben. Musik, sowie Speis und Trank gab es selbstverständlich auch. Somit hatte man nichts wirklich groß zu tun, als zu sitzen, essen und zu quatschen. Ganz angenehm im Vergleich zu den vergangenen Kirchenaufenthalten .


Aufs Essen warten...
Und weil's so lange dauerte,
spielten wir black stories
Das Buffet
Es gab Reis oder Banku...
ich entschied mich natürlich für mein Lieblingsessen, Banku! <3
music & dance
Dadaaa :)
(mein Gastdaddy)

Und wieder auf dem Heimweg
So. Das war sie also, die große Hochzeit, die ganz Jirapa in Aufregung versetzte. Es war echt ein cooles Erlebnis mal eine Hochzeit mit allem drum und dran (Brautpreis-Verlobung-Hochzeit) zu erleben. Manche Sachen waren im Vergleich zu Deutschland so anders, andere dagegen wurden genau wie bei uns gehandhabt. Ich für meinen Teil werde die Hochzeit zwar in guter Erinnerung behalten, aber Dadas Wunsch, doch auch in Ghana zu heiraten, werde ich wohl nicht nachkommen. :D

Sorry nochmal, dass dieser Post so lange gedauert hat. Aber zur Zeit laufen die Bewerbungsphasen für die Unis und so hatte ich, ganz nach dem Motto Schule geht vor! (diesen Satz vermisse ich übrigens nicht im Geringsten), erstmal anderes zu tun. Außerdem vergeht die Zeit echt schnell! Ich habe mittlerweile auch mein Rückflugdatum und als ich letztens auf das Datum gekuckt habe, bin ich richtig erschrocken. In knapp zwei Wochen habe ich ja Geburtstag... Wo bleibt die Zeit, liebe Leute?!

See you,
Ama :]

PS: Im Übrigen ist schon wieder Wasserausfall x.x

Donnerstag, 4. Juni 2015

Fließendes Wasser & organisierte Bürokratie - Echte Privilegien!

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich mich kurz und bündig zu zwei Themen äußern, die gemeinsam haben, dass sie in Deutschland anders als in Ghana funktionieren: fließendes Wasser und organisierte Bürokratie.


Wasser ist so schön, wenn es aus der Leitung kommt

Zuerst die wunderbare Neuigkeit: das Wasser fließt wieder!!! Ohhh man, ihr könnt euch wahrscheinlich gar nicht vorstellen, wie happy ich war, es ich es bemerkte. Ich saß auf meinem Bett und erledigte Papierkram, als ich auf einmal ein komisches, lang nicht mehr gehörtes Geräusch vernahm. Es dauerte nicht lange und mir schoss es wie ein Blitz durch den Kopf: das ist doch das Tropfen von Wasser! Eine Sekunde später war ich auch schon im Bad und meine herrliche Vermutung wurde bestätigt. Es kam wirklich Wasser aus dem Hahn! Und das nach zweieinhalb Monaten Wasserausfall! Unterschätzt diese Zeit nicht, das sind immerhin 10 Wochen; 70 Tage; 1680 Stunden und 100800 Minuten (jaa, hier kam der Taschenrechner zum Einsatz). Eine Zeit, geprägt vom zeitigen Aufstehen und Wasser holen, hin- und herlaufen, bis die Tonne gefüllt war.
Der (unfreiwillige!) Verzicht auf Wasser aus dem Hahn hat mir wirklich nochmal verdeutlicht, was für ein Privileg fließendes Wasser ist und dass es keines Wegs als selbstverständlich angesehen werden sollte. Also, schätzt es, wenn ihr dieses Privileg habt.
Es erleichtert einfach so vieles! Man muss nur schnell den Hahn aufdrehen und schon hat man, was man will. Ich hatte gestern direkt ein schlechtes Gewissen, als ich beim Duschen und Haarewaschen einen vollen, statt nur den üblichen halben Eimer verbrauchte.


Schnell alle Behälter mit Wasser füllen.
So schnell das Wunder gekommen ist,
so schnell kann es auch wieder versiegen.

Happy & gewappnet für den nächsten Wasserausfall:
die Tonne ist wieder bis oben hin voll.


Bürokratie ist so schön, wenn man nicht warten muss


Wenn man ein Jahr in Ghana verbringt, kommt man über kurz oder lang mit der hiesigen Bürokratie in Kontakt. Ob das nun bei der Beantragung des Visums oder der Arbeitserlaubnis, der Zusammenarbeit mit der ghanaischen Organisation Firm Lifeline Ministries oder speziell in meinem Falle auch die Verlängerung der Krankenkassenkarten der Kinder ist, spielt eigentlich keine so große Rolle.
Um was es sich auch handelt, man erfährt relativ schnell am eigenem Leibe, dass alles, was mit Bürokratie zu tun hat, in Ghana lange dauern kann. Und mit lange meine ich wirklich, wirklich lange!
Ich verdeutliche das am besten mal mit einem Beispiel: das von mir geliebte Verlängern der Healt Insurance Cards. Heute war schon wieder so ein Tag, an dem ich diese Karten in Angriff nehmen musste. Mein Ablauf sah also wie folgt aus:
  • 5:45 AM Wecker klingeln
  • 6:00 AM aus dem Bett quälen
  • 6:15 AM zum Waisenhaus fahren
  • 6:33 AM ankommen und von müden Gesichtern begrüßt werden
  • 6:35 AM Abigail & Julie ausfindig machen, deren Karten verlängert werden müssen. Natürlich haben beide noch nicht gegessen, obwohl ich ihnen Tags zuvor 1000 mal gesagt habe, dass sie das bis 6:30am erledigt haben sollten. Als ich ins Haus gehe, bemerke ich, dass Amos, der dritte Kandidat, noch in den Federn liegt. Nachdem er geduscht wurde und alle gefrühstückt hatten, konnte es nun endlich losgehen. Zwei Fahrräder für vier Personen, ganz normal.
  • 7:30 AM endlich Abfahrt (obwohl eigentlich 6:45AM ausgemacht wurde)
  • 7:40 AM Mitten auf dem Weg bekommt mein Reifen einen Platten. Na super! Und das, obwohl wir sowieso schon spät dran sind. Schnell rufe ich Bibiana an und frage, ob sie Amos und mich mit dem Motorrad zum Health Center fahren kann.
  • 8:00 AM Ankunft am Health Center, aber keine Arbeiter in Sicht. Eigentlich müsste schon seit einer Stunde reger Betrieb herschen
  • 8:45 AM Nach und nach trudeln die Angestellten ein, sodass das eigentliche Warten beginnen kann
  • 9:15 AM Wir sind an der Reihe und können schon mal für die Bearbeitung der Karten bezahlen. Danach heißt es Zeit absitzen, bis man ins Hauptgebäude kommt
  • 10:15 AM WARTEN
  • 11:15 AM WARTEN
  • 12:15 AM WARTEN
  • 01:15 PM WARTEN
  • 02:15 PM WARTEN
  • 02:45 PM Da ich als Weiße oft eine Sonderbehandlung bekomme, haben wir Glück und werden vorgelassen. Ansonsten hätten wir noch ungefähr drei weitere Stunden WARTEN müssen.
  • 03:05 PM Amos, Abigails und Julies Karten werden bearbeitet
  • 04:15 PM FREIHEIT! Alles ist geschafft, die neuen Karten sind in den Händen der stolzen Besitzer und es kann eeeeeeendlich ab nach Hause gehen.
Wie ihr also seht, eine simple bürokratische Tätigkeit nimmt in Ghana unmengen an Zeit in Anspruch. Das liegt zum einem daran, dass die "Büros" (oft draußen in einem schattigen Plätzchen) bei Weitem nicht so gut wie in Deutschland ausgestattet sind. Zum anderen haben Ghanaer aber auch einfach eine völlig andere Einstellung zur Arbeit. Und wenn es nun mal dauert, dann dauert es eben. Viel kann man da eh nicht machen, und mit schlechter Laune schieben kommt man erst recht nicht weit.



Das waren nur mal zwei Dinge, die hier ganz anders als in Deutschland ablaufen. Ich würde nicht unbedingt sagen schlechter, aber ich für meinen Teil finde es auf diese zwei Aspekte bezogen in Deutschland besser. Aber es gibt auch ganz viele Sachen, bei denen sich Deutschland was von Ghana abkucken kann. Was das genau für Sachen sind, werdet ihr bald erfahren. ;)

Und der Blog über die Hochzeit kommt auch noch, versprochen! Nur habe ich irgendwie gar keine richtige Lust den zu schreiben... Aber extra für euch werde ich mich da mal noch am Wochenende hinsetzen und den fertig stellen.

Bis dahin,
eure Nono :)

Mittwoch, 13. Mai 2015

Wasserfälle, Höhlen & Schiffsfahrten

Hallöchen,

seit vier Tagen bin ich nun schon wieder in Jirapa und kann euch somit von meinem schönen Urlaub in der Volta-Region berichten. Da ich allerdings nicht ganz so viel Zeit habe, werde ich nur über die wirklich erwähnenswerten Sachen schreiben. Ich hoffe, ihr seid damit einverstanden.

Der erste Stop war in Hohoe, einer größeren Stadt nahe dem Volta-See. Dort trafen wir uns mit den anderen Freiwilligen, sodass wir insgesamt eine Gruppe von acht Leuten waren. Am nächsten Tag stand auch schon der erste Ausflug an: die Wli-Wasserfälle. Das sind mit über 100 Meter die höchsten Wasserfälle Westafrikas. Und wirklich, sie sehen auch echt beeindruckend aus! Doch bevor man den Wasserfall so richtig genießen kann, muss man 1,5 Stunden steil bergauf kraxeln, was sich aber auch lohnt. Oben angekommen war ich zwar echt erschöpft, aber dafür konnte ich dann ja auch in den Quellwasser des Wasserfalls ein bisschen baden. Es war zwar nicht gerade sehr tief, aber als Abkühlung hat es alle mal gereicht. Und es war echt ein mega cooles Gefühl unter dem Wasserfall zu stehen und das Wasser wie Regen auf einen niederprasseln zu spüren. Ich habe vorher noch nie einen richtig großen Wasserfall gesehen, aber seit diesem Erlebnis weiß ich eins: ich lieeeebe Wasserfälle, die sind einfach so cool! Aber seht es am besten selbst:

Ein Teil des Wli-Falls

Im Wasser konnte ich nicht so lange bleiben -Ghana hat aus
mir eine noch schlimmere Frostbeule gemacht :D

Der Berg ist übrigens zur Hälfte auf ghanaischer
 Seite und zu anderen von der auf Togo

Bald darauf ging es nach Tafi Atome, was auch direkt am Volta See liegt. Dort gibt es auch einen Fischermarkt, den wir uns natürlich anschauen wollten. Also ging es schon früh los Richtung See. Den Markt fand ich nicht sonderlich spektakulär, dafür hatte man aber einen schönen Blick auf den Volta. Da es dort aber nicht allzu viel zu tun gab, ging es relativ rasch weiter nach Logba Tota, einem kleinen Dorf. Dort in der Nähe sollten wir auf weitere kleinere Wasserfälle und sogar einer Tropfsteinhöhle treffen. Der Weg dahin hatte es allerdings in sich: als es auf einmal einen echt steilen Berg hinauf ging, blieb das Trotro plötzlich stehen und rollte sogar ein bisschen nach hinten! Schnell stiegen wir alle aus, aber unsere Sorgen blieben unbegründet -nachdem das leere Trotro ein paar Meter den Berg hinauf geschoben wurde, konnten wir alle wieder Platz nehmen und weiter ging's. Naja, ich für meinen Teil war trotzdem froh, als wir dann oben auf dem Berg, und somit auch im Dorf, ankamen. ^.^
Dort klärten sich dann schnell zwei Bewohner bereit, uns zu der Höhle zu führen. Es ging Bergauf, Bergab, über Stock und Stein, umgefallene Baumstämme und auch eine Begegnung mit den Killer-Ameisen blieb leider nicht aus. Wir mussten unter einen Baumstamm durchklettern, auf dem aber ein Haufen Ameisen krabbelten. Naja, der Erste passierte diese schwierige Stelle und kurze Zeit später hörte ich nur noch Rufe wie "Ahhh das tut so weh!!! Passt bloß auf die Ameisen auf, die beißen richtig! Auuua!!". Da ich die Letzte war, konnte ich nicht wirklich sehen, was vorne vor sich ging. Die Rufe beruhigten mich jeden Falls nicht gerade. Aber ich hatte Glück: unserer Guide schlug, nachdem die meisten eh schon die schwierige Stelle passiert hatten, mit seiner Machete einen kleinen Umweg durch den Busch, sodass ich den Ameisen größtenteils aus den Weg gehen konnte.   
Kurze Zeit später kamen wir auch an dem Wasserfall mit der Höhle an. Dort mussten wir dann durch das Wasser waten, um zu der Kluft zu gelangen. Die vom Reiseführer mit Stalaktiten und Stalagmiten gepriesene Höhle beinhalte in Wahrheit nur einen einzigen großen Tropfstein und das wars. Trotzdem gefiel mir der Platz ganz gut, es war so schön still und idyllisch.
Als wir wieder im Dorf eintrafen, war es bereits früher Abend. Da es ganz in der Nähe auch ein Affen-reservat mit sogenannten Mona-monkeys gab, beschlossen Henri, Alessia und ich diesem einen Besuch abzustatten. Es war schon ganz lustig, die Affen mit Bananen zu füttern und sie mal richtig aus der Nähe sehen zu können, aber das Ganze dauerte nur 30 Minuten und ja. Ich vermute stark, dass wir bei dem Eintrittspreis ziemlich übers Ohr gehauen wurden, aber mit sowas muss man als Nasala (,,weißer Mensch" auf Dagaare) nun mal ab und zu rechnen. Interessant war noch, was uns der Guide zu den Affen erzählte: sie seien in diesem Dorf heilige Tiere, sodass es niemand wagt, sie zu verletzen oder gar zu töten. Wenn ich das richtig verstanden habe, stellen diese Affen eine Verbindung zu Gott dar oder sind sogar selbst kleine Götter.
Als wir dann im Hostel ankamen, musste ich erstmal duschen, denn die Affen hatten mein schönes Kleid dreckig gemacht, voll gemein! Auch wenn es Götter sein sollen, anscheinend wissen sie nicht, wie lange es dauert, ghanaischen Stoff wieder sauber zu bekommen.
Frisch geduscht und mit neuen Klamotten spielten wir noch ein paar Runden Karten, bevor es ins Bett ging. Denn am nächsten Tag hieß es schon wieder zeitig aufstehen, Jippie!

Grün - grüner - Volta-region

Säcke von Schiffen aufs Land laden

Volta See

Ausblick genießen :)

Das Dorf nahe bei der Höhle. Die Landschaft war dort so anders!
Man hätte denken können, man sei in einem anderen Land.

Durch den Dschungel

Schöner geht's doch nicht mehr, oder?

Der wunderbare Tropfstein :D
(bzw ein Stalagnat, für alle, die's genau wissen wollen)

Zwischen Höhle und Land liegen sichtlich ein paar Hindernisse

Meine neuen Freunde :D

Henri, ich & Alessia

Mona-Monkeys

Abends todmüde noch Karten spielen :D

In aller Frühe ging es weiter nach Akosombo. Von dort wollten wir eine Fähre nach Kete Kranchi nehmen. Bevor wir an Bord konnten, hatten wir allerdings noch reichlich Zeit und so beschlossen wir, den berühmten Staudamm anzusehen. Dieser Stausee lässt den Black, White und Red Volta-River zusammenfließen. Er ist so groß, dass er der größte Stausee der Erde ist, der vollständig von Menschen erschaffen wurde. Durch dieses technische Wunderwerk gewinnt Ghana 80% ihres Stromes. Das erklärt übrigens auch, warum es in der Trockenzeit öfter zu Stromausfall als in der Trockenzeit kommt: die Flüsse führen einfach nicht genügend Wasser, wodurch nicht so viel Strom erzeugt werden kann. Trotzdem wird zu jeder Season Strom in die Nachbarländer exportiert, da dass zu Beginn des Baus vertraglich abgestimmt wurde.
So wichtig der Staudamm für Ghana auch ist, er hat eine schlechte Vergangenheit. Damit das Land für den See geflutet werden konnte, mussten über 70.000 Menschen zwangsumgesiedelt werden. Das soll zwar laut unseren Führer alles human abgelaufen sein, aber ob das jetzt nun wirklich so gewesen ist weiß man ja nie...

Blick auf die sechs Turbinen des Damms 

Andere Seite des Damms

Und noch mal die Turbinen

The beautiful Volta-Lake

Und zum Schluss ein Gruppenfoto :)


Gegen 2PM ging es dann zur Fähre. Dort mussten wir noch ungefähr zwei Stunden warten, bevor wir an Bord konnten. Mit dem Schiff fuhren wir die ganze Nacht durch und kamen 11AM am nächsten Tag in Kete Kranchi an. Die Fahrt an sich war ganz cool, auch wenn der Motor echt laut war. Wir vertrieben uns die Zeit mit Karten spielen, lesen, schlafen und -ganz wichtig- essen. :D
Als wir wieder an Land gehen konnten hatten wir nur noch eine gemeinsame Nacht, bis sich unsere Wege dann wieder trennten. Ich für meinen Teil ging noch ein paar Tage zu der Freiwilligen Kim, die in Wenchi arbeitet. Henri besichtigte in dieser Zeit Cape Coast, wo ich ja aber schon war. Also trafen wir uns, als er fertig war, und machten uns gemeinsam wieder nach Jirapa auf. Hier angekommen stellte ich als erstes fest, dass IMMER NOCH Wasserausfall ist. Langsam wird es echt nervig...

Noch schnell ne Runde meditieren :D
Phase 10!
Früh, als noch alle schliefen.
(Ich bin die in der coolen pinken Jacke^^)
Hier nochmal unsere Tour
Roter Stern = Jirapa
Lila Pfeile = Hinfahrt
Braune Pfeil = Rückfahrt

Und nun zum größten Missgeschick aller Zeiten: im Urlaub kaufte ich mir ein wunderschönes Fußkettchen, was ich natürlich von nun an auch Tag und Nacht tragen musste. Täglich erfreute ich mich an den schönen Anblick. Doch eines Tages lag ich im Bett und las verschiedene Sachen im Internet, als ich über den Satz ,,Fußbänder gelten in Ghana als Zeichen der Prostitution" stolperte. Na suuuper! Da brauchte ich mich auch nicht mehr wundern, warum mich immer mal wieder lächelnd Leute fragten, warum ich das den trage. Zum Glück habe ich als Weiße einen kleinen Bonus was kulturelle Missgeschicke angeht, aber trotzdem... Auf dieses Malheur hätte ich auch gut und gerne verzichten können!:D

Dann gibt es noch etwas echt krasses zu berichten. Es ist so unfassbar, dass ich es immer noch nicht richtig glauben kann! In Jirapa wurden mehrere Leute verbrannt. -Ja, richtig, VERBRANNT! Das waren wohl angeblich Diebe, die schon länger ihr Unwesen hier trieben. So wie ich es erfahren habe, wurden sie dann eines Tages erwischt und so zusammengeprügelt bis sie wehrlos am Boden lagen. Dann hat man wohl Benzin über sie geschüttet und sie einfach angezündet! Das ist so krass. Wie können Menschen anderen Menschen nur so etwas antun?! Einer erlag den Verbrennungen sofort, die anderen wurden wenigstens ins Krankenhaus gebracht, von denen aber gestern ein weiterer starb. Die Übrigen, so sagt man, werden wohl auch nicht mehr lange leben.
Mir fehlen da echt die Worte und ich kann das ehrlich gesagt auch nicht nachvollziehen! Ich verstehe ja, dass es die Leute hier härter trifft, wenn sie bestohlen werden, weil sie ärmer sind, aber das ist doch noch lange kein Grund für solche Taten. Das Schlimmste ist, dass es viele ganz normal und richtig finden. Es sei gut so, denn sonst könnten ja alle Diebe der Welt nach Jirapa kommen. Da müsse man schon konsequent sein und bestrafen...
Ich hätte niemals gedacht, dass man hier noch so etwas praktiziert. Gerade, weil Ghana im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern ziemlich weit entwickelt ist. Aber diese Entwicklung und das moderne Denken ist scheinbar noch nicht in den Norden durchgedrungen. Das habe ich auch im Urlaub wieder deutlich gespürt. Im Süden sind die Menschen oft viel gebildeter und weltoffener als hier im Norden.

Naja... ansonsten geht es mir gut. Um zum Schluss noch eine gute Nachricht zu bringen: nächstes Wochenende werden Jesse und Sarah heiraten. Deswegen kommen am Freitag alle Freiwilligen, da wir ghanaische Kleider extra für die Hochzeit bekommen werden. Das Haus wird rappel voll sein, schon alleine in meinem Zimmer sollen zehn Leute schlafen. Und mich würde es nicht wundern, wenn diese Zahl noch steigt. ^^

Also mal wieder viel los in Jirapa here!
Bis baaald,
Ama ;*

PS: mein eines Handy wurde geklaut, somit bin ich über meine Vodafone-Nummer nicht mehr erreichbar, nur noch über die MTN-Nummer. Darüber, dass das Handy innerhalb der Familie geklaut wurde, sage ich mal nichts ...

Samstag, 25. April 2015

Jetzt wird die Braut gekauft!

Jaja, ihr habt schon richtig gelesen: die Braut wird gekauft!
Ich dachte immer es wäre ein Scherz, als mich verschiedenste Männer auf der Straße fragten, für wie viele Kühe / Kamele / Esel / was auch immer ich sie denn heiraten würde oder wenn Dada spaßig überlegte, wie viel er für mich verlangen könne, um seine Finanzen ein bisschen aufzustocken.  
Dass hinter dem Spaß richtige, noch praktizierte Tradition steckt, hätte ich nicht gedacht. Doch genau das erfuhr ich vor zwei Wochen, als der Spaß zur Realität wurde.
Aber keine Angst, bei der ganzen Geschichte handelt es sich glücklicher Weise nicht um mich, sondern um meinen zweitältesten Gastbruder. Dieser wird nämlich im Mai seine Freundin Sarah heiraten.

Bevor man heiratet, müssen beide Familien zustimmen. Es ist auch nicht selten, dass die Familien sich die künftigen Schwiegersöhne oder Schwiegertöchter selbst heraus suchen, sodass das eigentliche Paar gar nicht viel zu sagen hat. Die Eheschließung wird nämlich, gerade hier im Norden, wo die Leute generell ärmer sind, eher aus Zweck, anstatt aus Liebe, geschlossen. Ich glaube auch, dass einige einfach aus gesellschaftlichen Druck heiraten. Dass man später eine Frau hat und Kinder bekommt, ist so gut wie selbstverständlich und wird deswegen auch von jedem erwartet. Eine Familie gibt einfach Sicherheit und Rückhalt. Der Mann braucht jemand, der für ihn kocht, die Frau jemanden, der das Geld verdient. Das ist jetzt sehr konservativ geschrieben, aber ich glaube, der Grundgedanke ist immer noch der gleiche. Natürlich arbeiten so gut wie alle Frauen in Ghana, aber dennoch ist es auch ihre Aufgabe zu putzen und zu kochen, sowie sich um die Kinder zu kümmern. Ein Mann der kocht? Hier in Ghana? Sowas habe ich ehrlich gesagt noch nicht gesehen. Selbst Henri wurde es schon "verboten" beim Kochen mitzuhelfen, da er ja ein Mann sei und das sich nicht gehöre.

Aber kommen wir wieder zu dem Brautpreis, der für Sarah gezahlt wurde, zurück. Das Ganze lief folgendermaßen ab:
Es startete, wie immer bei großen Anlässen, mit einem Gebet im Rahmen der engsten Familie plus deren Freunde. Danach ging es auf zu Sarahs Familie. Dort standen schon Stühle für uns bereit, auf denen wir Platz nehmen sollten. Wir bekamen jeder ein Wasser und hatten erstmal Zeit und von der wirklich anstrengenden Reise (ca. 5 Minuten mit dem Auto) auszuruhen. Als ich meinen Blick über die Runde schweifen lies, viel mir auf, dass ich die einzige Frau war. Ich fühlte mich schon leicht fehl am Platz, als zum Glück noch zwei weitere Frauen kamen, die sehr schick angezogen waren. Trotzdem glaube ich, dass diese Zeremonie eher Männersache ist und die Frauen (mal wieder) außen vor gelassen werden. 
Nach kurzer Zeit wurden wir durch den Hof in ein kleines Zimmer geführt, das gerade noch so Platz für alle Angehörigen bot. Und dann ging es auch schon los: ein Sack mit Muscheln wurde ausgeschüttet und nun zu kleinen Häufchen zusammen gezählt. Was es damit auf sich hatte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht und war dementsprechend ein kleines bisschen verwirrt. Doch später wurde es mir dann erklärt, sodass ich jetzt bescheid weiß. Bei den Muscheln handelt es sich um so genanntes Kaurigeld, also um vormünzliches Geld. Der Name kommt ganz einfach daher, weil die Muscheln aus dem Gehäuse der Kaurischnecken bestehen. Mittlerweile wurden zwar die Kaurimuscheln durch andere Zahlungsmittel ersetzt, was aber die Ghanaer nicht davon abhält von ihnen trotzdem noch gelegentlich traditionell oder rituell Gebrauch zu machen.
Im Falle unseres Brautpreises bekam Sarahs Familie 1000 dieser Kaurimuscheln, was einem Wert von ca 80GHC entspricht. Aber das war noch lange nicht alles, denn nach ein bisschen Diskutieren lagen letztendlich neben den Muscheln noch 1500GHC auf dem Boden. Eine echt hohe Geldsumme für die Leute hier!
Die ganze Zeremonie dauerte gar nicht so lange, vielleicht eine halbe Stunde. Danach ging es wieder ins Auto und ab zu Sarahs Haus. Dort bekamen wir ein echt leckeres Essen, bevor es wieder nach Hause ging. Angekommen wartete aber schon das nächste Mahl auf uns, da es hier Brauch ist, dass bei beiden Familien des künftigen Paares gegessen werden muss. Zum Glück waren aber auch die Waisenkinder zugegen, denen wir unser Essen abgeben durften. Somit waren alle zufrieden.

Das Zählen der Kaurimuscheln

Alles in allem ca 395€ für die Braut,
was ziemlich viel Geld für die hiesigen Verhältnisse ist.

leeeckeres Essen 


Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass diese Geldgabe nicht ausschließlich als Preis für die Braut zu verstehen ist. Es symbolisiert auch die Dankbarkeit des Mannes gegenüber der Familie der zukünftigen Frau, da diese ja eine so schöne und liebevolle Tochter zur Welt gebracht haben.
Für mich heißt es jetzt nur noch den Mai abwarten und schon werde ich meine erste ghanaische Hochzeit erleben! :)

Doch bis dahin werde ich auch noch in die Volta-Region reisen, da seit vorgestern die Ferien angefangen haben. Zusammen mit den anderen Freiwilligen von meiner Organisation wird es Anfang nächster Woche losgehen.
Und letztes Wochenende war ich mit Henri in Lawra, einer kleinen Stadt 30 Minuten von Jirapa entfernt. Außer, dass es dort fließendes Wasser gab, war es aber nicht groß anders als hier. 

Ein paar Bilder zum Schluss,
bevor ich gehen muss:
(mein dichterisches Talent wird wirklich immer besser, findet ihr nicht auch???)

after chruch
Zimmer in Lawra
Im Waisenhaus mit dem unfassbar süüüüßen Kinsly <3
Esthi & me
Jessi & me
Der nächste Post wird dann wahrscheinlich über meinen Urlaub sein.
See u,

xoxo
Ama :)